Menschen eine Stimme geben

Jeder Mensch möchte kommunizieren. Die LebensWerkstatt hilft Menschen mit Behinderung dabei.

Martina Issler ist Gruppenleiterin am Standort Böckingen der LebensWerkstatt. Eine ihrer Mitarbeiterinnen spricht sehr undeutlich. „Ich habe sie oft nicht verstanden, das frustrierte sie natürlich. Das äußerte sich in Aggressionen und Weglauftendenzen“, erzählt Issler. Die Gruppenleiterin gestaltete verschiedene Bilder aus dem Alltag der Frau. Zum Beispiel eine Brezel, die die Mitarbeiterin so gerne isst. Das Problem war, dass es ihr nicht möglich war, das zu kommunizieren. Durch die Bilder konnte sie selbst aktiv werden und die Aggressionen verschwanden.

Der Wert der Sprache

Bilder sind nur ein Beispiel für Unterstützte Kommunikation. Auch zahlreiche technische Geräte wie Vorlesestifte, Aufnahmegeräte oder Symboltafeln sollen dabei helfen. Dank dieser Hilfsmittel können sich Menschen mit Sprachschwierigkeiten anderen mitteilen und Bedürfnisse ausdrücken. „Unterstützte Kommunikation ist ein unendlich großes Thema, denn Kommunikation ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen“, erklärt Oliver Ertl, Leiter der bereichsübergreifenden Projektgruppe. Ohne Sprache fällt es schwer am Leben teilzuhaben. Ausdrücken können, wie es einem geht, sich Arbeit auswählen und diese dann auch durchhalten – das sind nur einige Beispiele für den Einsatz der Unterstützten Kommunikation.

Gemeinsam Standards für einfachere Kommunikation

Aber nicht nur in der LebensWerkstatt wird Unterstützte Kommunikation schon seit vielen Jahren angewendet. Das Problem: Es gibt viele verschiedene Systeme und dutzende Symbole für ein und dasselbe. Ziel ist es, schon ab den Werkstufen der Schulen mit denselben Symbolen und Hilfsmitteln zu arbeiten. Deshalb hat die LebensWerkstatt nicht nur interne Standards auf den Weg gebracht, sie arbeitet auch mit anderen Einrichtungen und Schulen im Einzugsbereich zusammen. „Wir haben alle dasselbe Ziel, im Sinne unserer Klienten und Mitarbeitenden”, betont Projektleiter Oliver Ertl. „Es bringt ja nichts, wenn die Menschen hier wieder alles neu lernen müssen“.

Lebensqualität steigern

Wertschätzung, Struktur, verbesserte Selbstwahrnehmung, Sicherheit – Unterstützte Kommunikation ist weit mehr als nur ein bisschen quatschen. „Wir wollen für die Menschen gute Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben, dafür müssen wir sie hören und mit ihnen reden“ weiß Dr. Susanne Brötz aus dem Bereich Entwicklung, „und das alle in der selben Sprache!“

Martina Issler und zwei Mitarbeiter präsentieren verschiedene Materialien, die bei der Kommunikation unterstützen.
Verschiedene Materialien die bei der Förderung der Kommunikation helfen können.