Gedenkveranstaltungen mit Ausstellung zum Thema „Euthanasie im Nationalsozialismus“

Achtzig Jahre nach dem Grauen

Offene Hilfen, LebensWerkstatt, Lichtenstern und Diakonisches Werk Württemberg organisieren Veranstaltungsreihe zum Gedenken an die Vernichtungsaktion T4

Der schöne Tod, das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes Euthanasie. Da klingt es fast wie Hohn, wenn dieser Begriff mit der Aktion T4 in Zusammenhang gebracht wird – dem systematischen Töten von Menschen mit Behinderung durch die Nationalsozialisten. Achtzig Jahre ist es her, dass die präzise durchgeplante Ermordung von 10.654 Menschen auf Schloss Grafeneck erfolgte. Die Offenen Hilfen Heilbronn (OH), die LebensWerkstatt (LW), die Evangelische Stiftung Lichtenstern und das Diakonische Werk Württemberg (DWW) organisieren gemeinsam mit der dortigen Gedenkstätte im November eine Veranstaltungsreihe in der Heilbronner Kilianskirche.

Insgesamt wurden in den Jahren 1940 und 1941 in Deutschland mehr als 70.000 Menschen mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen in eigens dafür eingerichteten Vernichtungsanstalten getötet.
Grafeneck wurde 1940 zu einem Ort der „systematisch industriellen Ermordung“ aus „rassenhygienischen Motiven“ und ökonomischen Kosten-Nutzen-Überlegungen.
Das Leben von Menschen mit Behinderung war nichts wert.
Heute ist das Gedenken an dieses unmenschliche Kapitel deutscher Geschichte wichtiger denn je.
Denn es erinnert uns an unsere Verantwortung für das Leben, für jedes Leben.

Wir wissen, dass Menschen mit Behinderung das Leben reicher machen.
Vielfalt, Teilhabe und Inklusion sind keine Worthülsen, sondern Werte an sich.
Es sind unsere Werte.

NACHFOLGEND DAS PROGRAMM IM ÜBERBLICK
oder hier als PDF.

Alle Veranstaltungen finden in Kilianskirche Heilbronn statt.
Kaiserstraße 38 | 74072 Heilbronn. Hier zur Google Map

1.- 25. November | Mo-So | 10 – 17 Uhr
Wanderausstellung des Dokumentationszentrums Grafeneck

Auf 28 Ausstellungstafeln angeordnet in vier Themeninseln wird das unbeschreibliche Verbrechen in Worte und Bilder gefasst.
Mehr Infos zur Wanderausstellung hier
http://www.gedenkstaette-grafeneck.de/startseite/gedenkstaette/wander-ausstellungen.html

4. November um 18 Uhr
„Komm, schöner Tod!“

Die Theatergruppe „La Lune“ setzt sich in diesem dokumentarischen Stück mit Gerda Metzger auseinander, einem Mädchen das nur drei Jahre alt wurde und der Kindereutha- nasie in Stuttgart zum Opfer fiel. Das Stück wirft Fragen auf, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben.
Mehr Infos zum Theaterstück hier
https://www.theaterlalunestuttgart.de/kommt-schoener-tod/

11. November um 18 Uhr
Klara Holwein – eine Heilbronnerin

Der Historiker Peter Wanner erzählt die Lebensgeschichte seiner Heilbronner Großtante.

18. November um 17 Uhr
Gottesdienst zum Buß- und Bettag mit anschließendem Podiumsgespräch

Thema „Vorgeburtliche Untersuchungen: Wie weit wollen wir gehen?“ mit Pfarrerin Claudia Heinkel von der PUA-Fachstelle Pränataldiagnostik/Reproduktionsmedizin der Diakonie Württemberg.
Mehr Infos zur Fachstelle hier
https://www.diakonie-wuerttemberg.de/landkreis-und-kirchenbezirksdiakonie-existenzsicherung/frauen/pua/information-und-aufklaerung

25.November um 18 Uhr
Vortrag „Aktion T4 aus Sicht des Klinikums am Weissenhof, Weinsberg“

von Prof. Dr. Hans-Jürgen Luderer, ehemaliger Chefarzt des Klinikums am Weissenhof, Zentrum für Psychiatrie Weinsberg. Von der damaligen Zentraldienststelle T4 in Berlin wurde die systematische Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen geleitet. Was in Berlin entschieden wurde, hatte auch auf Weinsberg schwerwiegende Auswirkungen.

Wenn Sie Interesse an einer Führung haben, können Sie sich gerne mit dem Heilbronner Journalisten Uwe Kaiser in Verbindung setzen. Telefon 0172  7134974

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen und den Besuch der Ausstellung frei.

Mehr Informationen zum Programm bei Hartmut Seitz-Bay, Geschäftsführer der OH.
h.seitz-bay@oh-heilbronn.de oder Telefon 07131 5822221


Titelfoto: Thomas Stöckle, Leiter Gedenkstätte Grafeneck
Motiv: Installation des Künstlers Jochen Meyder zu Gedenken der Opfer von Grafeneck.